Jedem Support sind Grenzen gesetzt. Diese auszuloten, haben einige FAK-Anhänger in den letzten Wochen versucht und sind weit über das Ziel hinausgeschossen. Hat die Austria ein Fanproblem?
Freitag, 26. September 2008 von: Michael Lechner
Kraetschmer: "Wollen keine Selbstjustiz"
Die Wiener Austria eröffnet am 10. Oktober die neue Osttribüne des Horr-Stadions. Die Freude über die neue Heimat der Austria-Fans wird seit dem Böller-Wurf auf Rapid-Goalie Koch von Negativ-Schlagzeilen überschattet. sportnet.at beleuchtet die Lage. Hat die Austria ein Fan-Problem?
Beim UEFA-Cup-Heimmatch gegen Lech Posen passierte nach den Ereignissen Ende August im Hanappi-Stadion und einigen Vorkommnissen nach Auswärtsspielen das nächste negative Highlight. Diesmal skandierten "Fans" rechtsradikale Parolen. Der Klub ist abermals gezwungen, einzuschreiten, um subversive, zerstörerische Elemente aus dem Verkehr zu ziehen. Die Stimmung auf der „West“ leidet. Es brodelt. Welche Lösungsansätze gibt es? Wie können die Violetten den Unruhestiftern - die laut Klub höchstens zwei Prozent der großen Fanmasse ausmachen – Herr werden?
sportnet.at hat sich mit dem Management und der Fanbetreuung unterhalten. Auch die Bundesliga kommt zu Wort. Fanvertreter wurden über das Austria-Büro zu einem Gespräch eingeladen, haben sich aber dazu entschlossen, mit Medien nicht in direkten Kontakt zu treten.
Hat die Austria ein Fanproblem? Jetzt mitreden in der sportnet.at-Community!
Böller-Werfer noch nicht enttarnt
Hier gehts zum ausführlichen Interview mit Martin Schwarzlantner!
Kraetschmer: "Stadionverbote als letzte Konsequenz"
FAK-AG-Vorstand Markus Kraetschmer gibt zu, den Böller-Werfer auf Georg Koch noch nicht gefunden zu haben. Trotzdem wurden bisher bereits 14 Stadionverbote ausgesprochen. Dabei soll es nicht bleiben, auch wenn Kraetschmer gegenüber sportnet.at relativiert: "Es ist nicht Ziel des Klubs, Stadionverbote auszusprechen. Das ist wirklich nur die letzte Konsequenz. Deshalb sollte man das Durchgreifen gegen Krawallmacher nicht an der Anzahl der Stadionverbote messen. Leider sind die Verbote aber mittlerweile eine notwendige Maßnahme geworden. Die Fans müssen wissen, dass es einzuhaltende Regeln gibt."
Wie lässt sich die derzeitige Situation lösen? Der Klub ist auf die Unterstützung der Fans bei der Suche nach schwarzen Schafen angewiesen. "Wir schaffen die Rahmenbedingungen mit der Infrastruktur, der Videoüberwachung, den Zugangskontrollen und eines hauptberuflichen Fankoordinators. Doch was auf der Tribüne geschieht, bedarf der Mithilfe der eigenen Fans. Wir wollen keine Selbstjustiz. Denn wir wollen keine Fangewalt. Sie sollen aber Leute aussortieren, indem sie den Ordnerdienst und die Polizei auf Unruhestifter aufmerksam machen. Keiner braucht davor Angst haben. Denn der Großteil der Austria-Fans steht hinter ihm."

Nach dem Böller-Wurf auf Georg Koch entschuldigte sich die Austria öffentlich.
"Wir wollen kein Netz auf der Ost"
Über die Vorfälle im Match gegen Posen war auch Kraetschmer erbost. "Wir müssen den Fanbegriff neu leben. Es gibt soviele Austria-Anhänger die sich um tolle Choreografien und die Stimmung kümmern. Das geht derzeit wegen einigen wenigen leider unter. Rechtsradikalismus hat in dieser Stadt und diesem Land nichts verloren."
Werden auch von der neuen Osttribüne Gegenstände aufs Feld geworfen, wird ein Netz nicht mehr lange zu verhindern sein. Für die Austria ein Horrorszenario. Kraetschmer: "Solange wir nicht von den Behörden und der Bundesliga dazu verpflichtet werden, wollen wir als das letzte Stadion eines österreichischen Spitzenklubs Netzfrei bleiben. Die Fans sind auch unsere Kunden und sollen nicht in ihrer Sicht beeinträchtigt sein. Es muss aber jedem bewusst sein: Selbst wenn nur fünf von 3.000 Personen etwas werfen, ist die Austria von einem Netz für die neue Fantribüne nicht mehr weit entfernt.“
Schwarzlantner: "Nur ausschließen beendet das Problem nicht"
Die Violetten hoffen auf die positive Wirkung des neuen Fanzentrums unter der Ost-Tribüne. Das Prestige-Projekt des langjährigen Austria-Fanbetreuers Martin Schwarzlantner. Für ihn ist das Stadionverbot ebenfalls nur die letzte Konsequenz. "Problemfälle gibt’s leider immer. Man kann sie raus schmeißen. Wir müssen uns für solche Leute aber Lösungen ausdenken. Nur ausschließen ist eine momentane Möglichkeit, beendet das Problem aber nicht", meint der diplomierte Sozialpädagoge.
Hier gehts zum ausführlichen Interview mit Martin Schwarzlantner!
Bundesliga auf dem Holzweg?
Die Frage ob Prävention oder Sanktion im Vordergrund stehen soll, ist auch für Bundesliga-Vorstand Georg Pangl nicht restlos geklärt. Die Violetten wünschen sich mehr Geld, um die Fanbetreuung ausbauen zu können. Dafür braucht man aber auch die Politik. Diese sieht Pangl im sportnet.at-Interview nach dem Derby aber eher im Bezug auf ein Hooligan-Gesetz in der Pflicht. "Krawallmacher gehören sanktioniert, und Stadionverbot ist da noch das Geringste! Wir brauchen eine gewisse Abschreckungswirkung. Deshalb müssen wir uns mit den politischen Stellen abstimmen, inwieweit da nicht ein Hooligan-Gesetz helfen könnte."
Pangl: "Brauchen ein Hooligan-Gesetz"
Für Schwarzlantner nicht der richtige Weg. "Ich glaube, dass ein Wechselspiel zwischen Politik und der Bundesliga nötig ist. Wenn politische Entscheidungsträger an präventiven Fanprojekten kein Interesse zeigen, wird sich auch die Liga nicht anstrengen. Man braucht beide Ebenen. Die Sanktion nur wenns nicht mehr anders geht. Da müssen Liga, Gemeinden und Vereine besser zusammen arbeiten. Derzeit macht dies die Austria alleine."
In Deutschland fordert Polizei Fan-Gipfel
Ausrastende Fans gibt es derzeit nicht nur bei der Wiener Austria. Die Gewerkschaft der deutschen Polizei hat aufgrund der in dieser Saison gestiegenen Zahl der Einsätze in Fußballstadien jüngst einen Gipfel zur Problembehandlung gefordert. Die Gewaltbereitschaft der Randalierer habe stark zugenommen.
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Kraetschmer: "Wollen keine Selbstjustiz"
Die Wiener Austria eröffnet am 10. Oktober die neue Osttribüne des Horr-Stadions. Die Freude über die neue Heimat der Austria-Fans wird seit dem Böller-Wurf auf Rapid-Goalie Koch von Negativ-Schlagzeilen überschattet. sportnet.at beleuchtet die Lage. Hat die Austria ein Fan-Problem?
Beim UEFA-Cup-Heimmatch gegen Lech Posen passierte nach den Ereignissen Ende August im Hanappi-Stadion und einigen Vorkommnissen nach Auswärtsspielen das nächste negative Highlight. Diesmal skandierten "Fans" rechtsradikale Parolen. Der Klub ist abermals gezwungen, einzuschreiten, um subversive, zerstörerische Elemente aus dem Verkehr zu ziehen. Die Stimmung auf der „West“ leidet. Es brodelt. Welche Lösungsansätze gibt es? Wie können die Violetten den Unruhestiftern - die laut Klub höchstens zwei Prozent der großen Fanmasse ausmachen – Herr werden?
sportnet.at hat sich mit dem Management und der Fanbetreuung unterhalten. Auch die Bundesliga kommt zu Wort. Fanvertreter wurden über das Austria-Büro zu einem Gespräch eingeladen, haben sich aber dazu entschlossen, mit Medien nicht in direkten Kontakt zu treten.
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Böller-Werfer noch nicht enttarnt
Hier gehts zum ausführlichen Interview mit Martin Schwarzlantner!
Kraetschmer: "Stadionverbote als letzte Konsequenz"
FAK-AG-Vorstand Markus Kraetschmer gibt zu, den Böller-Werfer auf Georg Koch noch nicht gefunden zu haben. Trotzdem wurden bisher bereits 14 Stadionverbote ausgesprochen. Dabei soll es nicht bleiben, auch wenn Kraetschmer gegenüber sportnet.at relativiert: "Es ist nicht Ziel des Klubs, Stadionverbote auszusprechen. Das ist wirklich nur die letzte Konsequenz. Deshalb sollte man das Durchgreifen gegen Krawallmacher nicht an der Anzahl der Stadionverbote messen. Leider sind die Verbote aber mittlerweile eine notwendige Maßnahme geworden. Die Fans müssen wissen, dass es einzuhaltende Regeln gibt."
Wie lässt sich die derzeitige Situation lösen? Der Klub ist auf die Unterstützung der Fans bei der Suche nach schwarzen Schafen angewiesen. "Wir schaffen die Rahmenbedingungen mit der Infrastruktur, der Videoüberwachung, den Zugangskontrollen und eines hauptberuflichen Fankoordinators. Doch was auf der Tribüne geschieht, bedarf der Mithilfe der eigenen Fans. Wir wollen keine Selbstjustiz. Denn wir wollen keine Fangewalt. Sie sollen aber Leute aussortieren, indem sie den Ordnerdienst und die Polizei auf Unruhestifter aufmerksam machen. Keiner braucht davor Angst haben. Denn der Großteil der Austria-Fans steht hinter ihm."

Nach dem Böller-Wurf auf Georg Koch entschuldigte sich die Austria öffentlich.
"Wir wollen kein Netz auf der Ost"
Über die Vorfälle im Match gegen Posen war auch Kraetschmer erbost. "Wir müssen den Fanbegriff neu leben. Es gibt soviele Austria-Anhänger die sich um tolle Choreografien und die Stimmung kümmern. Das geht derzeit wegen einigen wenigen leider unter. Rechtsradikalismus hat in dieser Stadt und diesem Land nichts verloren."
Werden auch von der neuen Osttribüne Gegenstände aufs Feld geworfen, wird ein Netz nicht mehr lange zu verhindern sein. Für die Austria ein Horrorszenario. Kraetschmer: "Solange wir nicht von den Behörden und der Bundesliga dazu verpflichtet werden, wollen wir als das letzte Stadion eines österreichischen Spitzenklubs Netzfrei bleiben. Die Fans sind auch unsere Kunden und sollen nicht in ihrer Sicht beeinträchtigt sein. Es muss aber jedem bewusst sein: Selbst wenn nur fünf von 3.000 Personen etwas werfen, ist die Austria von einem Netz für die neue Fantribüne nicht mehr weit entfernt.“
Schwarzlantner: "Nur ausschließen beendet das Problem nicht"
Die Violetten hoffen auf die positive Wirkung des neuen Fanzentrums unter der Ost-Tribüne. Das Prestige-Projekt des langjährigen Austria-Fanbetreuers Martin Schwarzlantner. Für ihn ist das Stadionverbot ebenfalls nur die letzte Konsequenz. "Problemfälle gibt’s leider immer. Man kann sie raus schmeißen. Wir müssen uns für solche Leute aber Lösungen ausdenken. Nur ausschließen ist eine momentane Möglichkeit, beendet das Problem aber nicht", meint der diplomierte Sozialpädagoge.
Hier gehts zum ausführlichen Interview mit Martin Schwarzlantner!
Bundesliga auf dem Holzweg?
Die Frage ob Prävention oder Sanktion im Vordergrund stehen soll, ist auch für Bundesliga-Vorstand Georg Pangl nicht restlos geklärt. Die Violetten wünschen sich mehr Geld, um die Fanbetreuung ausbauen zu können. Dafür braucht man aber auch die Politik. Diese sieht Pangl im sportnet.at-Interview nach dem Derby aber eher im Bezug auf ein Hooligan-Gesetz in der Pflicht. "Krawallmacher gehören sanktioniert, und Stadionverbot ist da noch das Geringste! Wir brauchen eine gewisse Abschreckungswirkung. Deshalb müssen wir uns mit den politischen Stellen abstimmen, inwieweit da nicht ein Hooligan-Gesetz helfen könnte."
Pangl: "Brauchen ein Hooligan-Gesetz"
Für Schwarzlantner nicht der richtige Weg. "Ich glaube, dass ein Wechselspiel zwischen Politik und der Bundesliga nötig ist. Wenn politische Entscheidungsträger an präventiven Fanprojekten kein Interesse zeigen, wird sich auch die Liga nicht anstrengen. Man braucht beide Ebenen. Die Sanktion nur wenns nicht mehr anders geht. Da müssen Liga, Gemeinden und Vereine besser zusammen arbeiten. Derzeit macht dies die Austria alleine."
In Deutschland fordert Polizei Fan-Gipfel
Ausrastende Fans gibt es derzeit nicht nur bei der Wiener Austria. Die Gewerkschaft der deutschen Polizei hat aufgrund der in dieser Saison gestiegenen Zahl der Einsätze in Fußballstadien jüngst einen Gipfel zur Problembehandlung gefordert. Die Gewaltbereitschaft der Randalierer habe stark zugenommen.
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