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Wie geht es nach Bilbao mit der Fanarbeit bei der Austria weiter? Experten kritisieren die Schließung des Fanzentrums.
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Montag, 08. Februar 2010    von: Michael Lechner

Harte Kritik nach Fanzentrum-Out

Als Folge des Bilbao-Skandals hat die Austria ihr Vorzeigeprojekt "Fanzentrum Osttribüne" beendet und die Fanarbeit vorerst eingestellt. Dafür ernten die Violetten jetzt internationale Kritik.


Anfang Februar tagten über 100 europäische Klub- und Städtevertreter auf Einladung der UEFA in Barcelona zum Thema Fanarbeit. Dabei ist auch der Austria-Fanskandal im Horr-Stadion mitsamt seinen Folgen für Anhänger und Klub zur Sprache gekommen. UEFA Vize-Präsident Senes Erzik sprach davon, dass eine positive, von Dialog und Respekt geprägte Arbeit mit Fans eines der zukunftsweisenden Themen des internationalen Fußballs ist.

"Austria-Fanszene unter Druck gesetzt"

Die österreichische Fairplay-Initiative "FairPlay - Viele Farben. Ein Spiel." kritisiert deshalb die Entscheidung der Austria, als jener Verein, der als erster Strukturen sozialer Fanarbeit in Österreich geschaffen hat, sich nun genau aus diesem Bereich zwecks Fan-Bestrafung und wegen den drohenden Sanktionen der UEFA (sportnet.at berichtete über die Verschiebung der Urteilsverkündung auf 18. Februar) zurück zu ziehen.

Das erst im März 2009 eröffnete Fanzentrum wurde ja bekanntlich geschlossen, die Fanbetreuer Martin Schwarzlantner und Maureen Schorn einvernehmlich gekündigt. "Zudem wird mit weiteren repressiven Maßnahmen die Fanszene Austria Wien zunehmend unter Druck gesetzt", heißt es in der FairPlay-Aussendung.

>>22.1.2010: Bilbao: Austria rechnet mit harter Strafe<<

>>26.12.2009: Harte Strafe: Austria-Fans - Schluss mit lustig!<<

"Austria-Maßnahmen kritisch hinterfragen"

"Von faschistischen Vorfällen nimmt die österreichische Initiative FairPlay klar Abstand und setzt seit über zwölf Jahren proaktive Maßnahmen dagegen. Dass Vereine auf rassistisches, diskriminierendes und faschistisches Verhalten in ihrem Umfeld reagieren und diesbezüglich Verantwortung übernehmen müssen, war und bleibt ein Credo der bewusstseinsbildenden Arbeit, die FairPlay vertritt."

Allerdings seinen jene Aktionen und Maßnahmen, die die Austria nun setzt, "kontraproduktiv und kritisch zu hinterfragen". Mit der Schließung des Fanzentrums und der Kündigung der beiden Fanarbeiter geben die Violetten "ein Pionierprojekt im österreichischen Fußball auf, das diesen erstmals an europäische Fanarbeits-Standards heranführte."

Seit die Austria rund um Weihnachten ihren Maßnahmenkatalog als Folge der Bilbao-Ereignisse veröffentlicht hat, wird innerhalb der FAK-Fanszene hitzig über die Folgen für die Fantribüne diskutiert. FairPlay dazu: "Martin Schwarzlantner arbeitete acht Jahren daran, bei Austria Wien Fanarbeit zu etablieren. Bei Null beginnend war es ihm gelungen, diese auf internationales Fanprojekt-Niveau zu heben. Durchaus kann man auch die Erfolge der Fanarbeit der letzten Jahre erkennen."


Die Fan-Eskalation gegen Bilbao in Bildern!

"Fanarbeit hatte bei der Austria nur Alibifunktion"

Die Austria-Verantwortlichen begründen die harten Maßnahmen mit dem entstandenen Image- und Finanzschaden. Immer wieder ist es seit Sommer 2008 zu Problemen mit dem eigenen Anhang gekommen. FairPlay argumentiert, dass der violette Geduldsfaden zu früh gerissen ist. "Soziale Arbeit mit Fußballfans ist geprägt von Vertrauen, das langfristig aufgebaut wird und Fankultur in den Mittelpunkt stellt. Das kann nicht innerhalb von wenigen Monaten erreicht werden." Eines der Kernprobleme: Die violette Fanarbeit war nie unabhängig, sondern vom Klub gesteuert und finanziert.

Die Austria beweise mit dieser Handlung "keine Weitsicht und scheint das Konzept sozialer Arbeit mit Fußballfans nicht verstanden zu haben. Die Schließung des Fanzentrums trifft nicht diejenigen, die für die Vorfälle gegen Bilbao verantwortlich sind. Die vorschnellen Konsequenzen gegenüber der Fanarbeit sprechen dafür, dass diese bei der Austria im Grunde nur eine Alibifunktion hatte. Sie sind aber keinesfalls die Lösung des Problems."

Aus Sicht der FairPlay-Initiative würde in Österreich seit Jahren "im Umgang mit Fußballfans fast ausschließlich auf Repression und kollektive Verurteilung gesetzt. Dass nun die Arbeit der letzten Jahre durch kurzsichtige Entscheidungen zunichte gemacht wird, ist für FairPlay und internationale ExpertInnen unverständlich und kontraproduktiv."

Auf Seite 2 erklären Fanarbeit-Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, wie sie die Aufkündigung der Fanarbeit bei der Austria sehen. Jetzt umblättern!

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Harte Kritik nach Fanzentrum-Out

Als Folge des Bilbao-Skandals hat die Austria ihr Vorzeigeprojekt "Fanzentrum Osttribüne" beendet und die Fanarbeit vorerst eingestellt. Dafür ernten die Violetten jetzt internationale Kritik.

Anfang Februar tagten über 100 europäische Klub- und Städtevertreter auf Einladung der UEFA in Barcelona zum Thema Fanarbeit. Dabei ist auch der Austria-Fanskandal im Horr-Stadion mitsamt seinen Folgen für Anhänger und Klub zur Sprache gekommen. UEFA Vize-Präsident Senes Erzik sprach davon, dass eine positive, von Dialog und Respekt geprägte Arbeit mit Fans eines der zukunftsweisenden Themen des internationalen Fußballs ist.

"Austria-Fanszene unter Druck gesetzt"

Die österreichische Fairplay-Initiative "FairPlay - Viele Farben. Ein Spiel." kritisiert deshalb die Entscheidung der Austria, als jener Verein, der als erster Strukturen sozialer Fanarbeit in Österreich geschaffen hat, sich nun genau aus diesem Bereich zwecks Fan-Bestrafung und wegen den drohenden Sanktionen der UEFA (sportnet.at berichtete über die Verschiebung der Urteilsverkündung auf 18. Februar) zurück zu ziehen.

Das erst im März 2009 eröffnete Fanzentrum wurde ja bekanntlich geschlossen, die Fanbetreuer Martin Schwarzlantner und Maureen Schorn einvernehmlich gekündigt. "Zudem wird mit weiteren repressiven Maßnahmen die Fanszene Austria Wien zunehmend unter Druck gesetzt", heißt es in der FairPlay-Aussendung.

>>22.1.2010: Bilbao: Austria rechnet mit harter Strafe<<

>>26.12.2009: Harte Strafe: Austria-Fans - Schluss mit lustig!<<

"Austria-Maßnahmen kritisch hinterfragen"

"Von faschistischen Vorfällen nimmt die österreichische Initiative FairPlay klar Abstand und setzt seit über zwölf Jahren proaktive Maßnahmen dagegen. Dass Vereine auf rassistisches, diskriminierendes und faschistisches Verhalten in ihrem Umfeld reagieren und diesbezüglich Verantwortung übernehmen müssen, war und bleibt ein Credo der bewusstseinsbildenden Arbeit, die FairPlay vertritt."

Allerdings seinen jene Aktionen und Maßnahmen, die die Austria nun setzt, "kontraproduktiv und kritisch zu hinterfragen". Mit der Schließung des Fanzentrums und der Kündigung der beiden Fanarbeiter geben die Violetten "ein Pionierprojekt im österreichischen Fußball auf, das diesen erstmals an europäische Fanarbeits-Standards heranführte."

Seit die Austria rund um Weihnachten ihren Maßnahmenkatalog als Folge der Bilbao-Ereignisse veröffentlicht hat, wird innerhalb der FAK-Fanszene hitzig über die Folgen für die Fantribüne diskutiert. FairPlay dazu: "Martin Schwarzlantner arbeitete acht Jahren daran, bei Austria Wien Fanarbeit zu etablieren. Bei Null beginnend war es ihm gelungen, diese auf internationales Fanprojekt-Niveau zu heben. Durchaus kann man auch die Erfolge der Fanarbeit der letzten Jahre erkennen."


Die Fan-Eskalation gegen Bilbao in Bildern!

"Fanarbeit hatte bei der Austria nur Alibifunktion"

Die Austria-Verantwortlichen begründen die harten Maßnahmen mit dem entstandenen Image- und Finanzschaden. Immer wieder ist es seit Sommer 2008 zu Problemen mit dem eigenen Anhang gekommen. FairPlay argumentiert, dass der violette Geduldsfaden zu früh gerissen ist. "Soziale Arbeit mit Fußballfans ist geprägt von Vertrauen, das langfristig aufgebaut wird und Fankultur in den Mittelpunkt stellt. Das kann nicht innerhalb von wenigen Monaten erreicht werden." Eines der Kernprobleme: Die violette Fanarbeit war nie unabhängig, sondern vom Klub gesteuert und finanziert.

Die Austria beweise mit dieser Handlung "keine Weitsicht und scheint das Konzept sozialer Arbeit mit Fußballfans nicht verstanden zu haben. Die Schließung des Fanzentrums trifft nicht diejenigen, die für die Vorfälle gegen Bilbao verantwortlich sind. Die vorschnellen Konsequenzen gegenüber der Fanarbeit sprechen dafür, dass diese bei der Austria im Grunde nur eine Alibifunktion hatte. Sie sind aber keinesfalls die Lösung des Problems."

Aus Sicht der FairPlay-Initiative würde in Österreich seit Jahren "im Umgang mit Fußballfans fast ausschließlich auf Repression und kollektive Verurteilung gesetzt. Dass nun die Arbeit der letzten Jahre durch kurzsichtige Entscheidungen zunichte gemacht wird, ist für FairPlay und internationale ExpertInnen unverständlich und kontraproduktiv."

Auf Seite 2 erklären Fanarbeit-Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, wie sie die Aufkündigung der Fanarbeit bei der Austria sehen. Jetzt umblättern!

Heidi Thaler, Projektleiterin Fanarbeit FairPlay:
„Austria Wien war stets ein Vorreiter im Bereich Fanarbeit, stellte mit Martin Schwarzlantner den ersten fachlich qualifizierten Fanarbeiter ein und initiierte das erste Fanzentrum Österreichs. Leider scheint es nun so, als ob das Fanzentrum als Druckmittel gegen die eigenen Fans und Mitarbeiter benutzt wurde. Die eigenen Fans zudem nicht als mündige, verantwortungsvolle Personen wahrzunehmen, sondern sie „abzumahnen“ und kollektiv zu „bestrafen“ zeugt von Mangel an Dialogfähigkeit und vom dringenden Bedarf an der Fortsetzung der begonnenen Fanarbeit.“

Michael Gabriel, Koordinator der 44 deutschen Fanprojekte (KOS):
„Diese Entscheidung deutet auf eine große Hilflosigkeit hin. Meines Erachtens zeigt sich an diesem Fall mehreres: Wenn ein Fanprojekt sinnvoll und kontinuierlich in diesem absoluten Spannungsfeld (Verein, Sicherheit, Medien, Fans) soziale Arbeit mit Fußballfans machen will, dann geht dies nur, wenn es unabhängig arbeiten kann. Fanprojekte machen soziale Arbeit mit Jugendlichen, d.h. jeder Fan, der sich schulisch, beruflich und persönlich mit Hilfe einer engagierten Fanarbeit weiterentwickelt, ist ein Erfolg der Arbeit, die sich nicht an etwaigen Ausschreitungen orientiert."

"Unerlässlich ist weiterhin, dass der Verein die Arbeit und das Konzept verstehen, sich für die Entwicklung in der Fanszene interessieren, sich bei Rassismus, Rechtsextremismus, Diskriminierungen einbringen und selbst einen transparenten, zuverlässigen und offenen Dialog mit der Fanszene eingehen muss.“

David Zimmermann, Mitbegründer von Fanarbeit Schweiz:
„Sozioprofessionelle Fanarbeit ist in hohem Mass Kommunikationsarbeit. Einstellen von Fanarbeit heißt demzufolge auch Einstellen von einem wichtigen Teil der Kommunikation. Und das ist in einer Situation wie dieser verheerend. Gewalt akzentuiert sich oft da, wo Kommunikation nicht mehr gepflegt, respektive verweigert wird. Die hohle, leider aber oft gebrachte Phrase „Jetzt hilft keine Kommunikation mehr“, entbehrt also jeglicher Grundlage. Im Gegenteil! Das Einstellen von Kommunikation wirkt eher wie Öl ins Feuer der Eskalation.“

Daniela Wurbs, Koordinatorin Football Supporters Europe (FSE):
„In allen Ländern Europas, in denen es professionelle Fanarbeit in Fanprojekten gibt, haben wir als FSE festgestellt, dass nur dann sichtbare Ergebnisse und klare Erfolge erzielt werden konnten, wenn der langfristig angelegte und dialogorientierte Ansatz und die Unabhängigkeit der Fanarbeit von ordnungspolitischen Aufgaben und Sanktionierungsformen von allen Beteiligten absolut anerkannt wird. Fanarbeit muss als Alternative zu einseitig repressiven Maßnahmenstrategien wertgeschätzt werden."

"Die Schließung des Fanzentrums von Austria Wien betrachten wir daher als großen Rückschritt. Diese Ansicht vertreten im Übrigen auch Institutionen wie der Europarat oder die UEFA, die sich dabei ebenfalls auf wissenschaftliche Erkenntnisse zur Bedeutung und Anerkennung der Fanarbeit als zentrale Schnittstelle für nachhaltig angelegte Prävention und Reduktion von Problemen im Fußball berufen.“

Hier gehts zum FairPlay-Projektpool ermöglicht von tipp3!
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