Zum 100er kein Jahrhundert-Spieler Herbert Prohaska und kein Dancing-Knipser Toni Polster, sondern einer aus Erde und violettem Holz: Andi Ogris, unser Kult-Austrianer, ist auch mit 46 ein richtiger Schlawi(e)ner.
Im 60-minütigen Treff mit sportnet.at in Wien-Favoriten nimmt sich der Ex-Stürmer mit UEFA-Trainerlizenz und Publikumsliebling kein Blatt vor den Mund und spricht nicht nur über echte Wiener und seine Freundschaft mit Peter Pacult.
Ausgerechnet das Vollblut-Veilchen Ogris beichtet, dass er in seiner Jugend einmal bei Rapid gekickt hat, mit Kühbauer trotz Nasen-Kontakt Mitte der 1990er-Jahre "gut kann" und zumindest einen Zapfenstreich absichtlich verpasst hat.
sportnet.at: Wie oft sieht man Andi Ogris noch in der Generali-Arena?
Andreas Ogris: "Jetzt, wo ich keinen Trainerjob habe, öfters. Ich war gegen Ried und Wiener Neustadt im Stadion. Das Derby habe ich auch gesehen."
sportnet.at: Wie fühlt man sich als violetter Ex-Spieler, wenn sein Verein 100 Jahre wird?
Andreas Ogris: "Das ist schon etwas Besonderes. Die Fans haben mich nicht vergessen. Das merke ich bei meinen Besuchen in der Generali-Arena. Das heißt für mich, dass ich als Spieler einen guten Job gemacht habe. Das macht mich stolz, ist ein schönes Gefühl. Ich würde lügen, wenn es für meine persönliche Eitelkeit nicht angenehm wäre."
sportnet.at: Wann wird man dich wieder auf der Trainerbank sehen?
Andreas Ogris: "Mich würde es schon interessieren, wieder als Trainer zu arbeiten. Dafür müssen aber bestimmte Faktoren gegeben sein. Der finanzielle Background muss da sein, damit man mit einer ordentlichen Mannschaft arbeiten kann, um etwas erreichen zu können. Dazu muss der Klub eine Philosophie verfolgen, etwas umsetzen und bewegen wollen. Nur dann ist es interessant zu arbeiten. Dazu muss es ein langfristiges Projekt sein. In einem halben Jahr kann niemand etwas bewegen. Der Verein muss geduldig sein."
sportnet.at: Du besitzt die UEFA-Trainerlizenz, könntest auch in der Bundesliga arbeiten. Gab es diesbezüglich schon einmal Kontakt?
Andreas Ogris: "Nein. Es ging bis jetzt immer um Regionalliga oder Wiener Liga. Ich habe die höchste Lizenz und die habe ich nicht gemacht, um sie bei mir zu Hause über dem Schreibtisch in einen Bilderrahmen zu hängen. Ich will irgendwann schon in die Bundesliga. Einfach ist das aber nicht. Das Geschäft ist sehr schnelllebig. Wenn nicht einer daher kommt, der sich den Ogris einbildet, wird es schwer."
sportnet.at: Hat man es mit dem Namen Ogris nicht leichter im Trainergeschäft?
Andreas Ogris: "Eher umgekehrt. Gerade mit dem Namen Ogris hat man es nicht leicht, als Trainer irgendwo unterzukommen. Mir eilt ein gewisser Ruf voraus. Wenn ich etwas mache, mache ich es nämlich zu hundert Prozent, lasse mir aber auch nicht viel drein reden. So mancher Verein kann damit und mit meiner Art aber nicht umgehen."
sportnet.at: Bist du zu stur für das Trainergeschäft?
Andreas Ogris: "Was heißt stur? Ich habe meine Philosophie, war Zeit meines Lebens Stürmer, will deshalb auch als Trainer offensiv spielen lassen. Das wirkt sich auf Training und Aufstellung aus. Wenn das wem nicht gefällt, muss er sich einen anderen Trainer suchen. Dann bin ich der falsche."