Team-Aussteiger Martin Stranzl exklusiv: Warum es für ihn kein zurück gibt, welche Aktionen Teamchef Constantini nicht nötig hätte. Plus: Glaubt Stranzl an eine Ivanschitz-Rückkehr?
Das Interview führten Christoph Gastinger und Michael Schlagenhaufen
Es weht ein rauer Wind in Mönchengladbach, als wir
Martin Stranzl an einem trüben März-Tag zum vereinbarten Interview treffen.
Der 30-Jährige sorgt bei der abstiegsgefährdeten Borussia seit der Rückrunde für lichtere Momente, verleiht der Defensive mehr Stabilität.
Das rund einstündige Gespräch mit dem Ex-Spartak-Legionär dreht sich um die sportlichen Sorgen in Mönchengladbach, den Aufschwung des russischen Klubfußballs und - man kommt beim Thema Martin Stranzl nicht daran vorbei - den ÖFB.
Am 11. November 2009 lässt der Verteidiger die Öffentlichkeit wissen, nie wieder für Österreich spielen zu wollen. "Irgendwann ist das Fass voll", sagt der Burgenländer, nachdem er sich mit Teamchef Didi Constantini zerworfen hatte.
Die zuletzt desaströsen Vorstellungen des ÖFB-Teams in der EM-Qualifikation gegen Belgien und der Türkei lassen leise Rufe nach
Andreas Ivanschitz und Stranzl laut werden.
Die
Kronen Zeitung fordert Constantini
dazu auf, jetzt alle personellen Register ziehen, die beiden einstigen Leistungsträger für die kommenden Aufgaben zurück ins Team holen zu müssen.
Bei Stranzl meldet sich niemand. Und selbst wenn - es wäre sinnlos.
sportnet.at: Martin, du hast vor gut 17 Monaten deinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt. Ein Schritt, den du zu irgendeinem Zeitpunkt bereut hast?
Martin Stranzl: "Nie! Ich bin konsequent in meinen Entscheidungen, habe mir das – weil ich immer wieder gehört habe, dass es ein Schnellschuss war – sehr wohl sehr lange überlegt."
sportnet.at: Ist es nicht ein unabsehbar großes Wagnis, im Alter von 29 Jahren einen solch endgültigen Entschluss zu fassen?
Martin Stranzl: "Natürlich ist es das. Ich habe eine Priorität gesetzt, weil viele Dinge vorgefallen sind, die mir nicht gepasst haben. Deshalb habe ich diesen Schritt gewagt."
sportnet.at: Hat bei deiner Entscheidungsfindung auch der persönliche Stolz mitgewirkt?
Martin Stranzl: "Stolz … Ich weiß nicht, warum immer wieder ein anderer Blödsinn geschrieben wird. Das hat nichts mit Stolz zu tun. Für mich war beim ÖFB keine klare Linie erkennbar. Man kann mir die Wahrheit sagen, aber man muss nicht immer irgendetwas anderes erfinden, warum man nicht im Team ist. Man kann es mir ins Gesicht sagen, wenn man nicht mit mir, sondern mit anderen Spielern plant, ich nicht Teil der Zukunft sein soll. Man kann mir auch sagen, dass man mich braucht, wenn jemand anderer ausfällt. Was auch immer. Ich bin der Letzte, der Entscheidungen nicht akzeptiert. Der Trainer trägt die Verantwortung. Wenn es nicht läuft, ist der Trainer der Erste, der dran glauben muss. Deswegen muss man die Entscheidung des Trainers akzeptieren. Wenn man mich im Team gebraucht hätte, wäre ich da gewesen."
sportnet.at: Was genau hat dir auf den Magen geschlagen?
Martin Stranzl: "Ich sehe es nicht ein, warum ich mir immer was anderes anhören musste. Dafür war ich viel zu lange dabei. Ich muss auch nicht mit einem eingerissenen Kreuzband zu einem Freundschaftsspiel fahren und mich fitspritzen lassen. Das muss ich mir auch nicht mehr sagen lassen."
sportnet.at: Konkret geht es um das Testspiel gegen Kamerun am 12. August 2009, bei dem du verletzungsbedingt passen musstest.
Martin Stranzl: "Ich hatte eine Knieverletzung, habe im Vorfeld zwei Wochen nicht spielen können. Constantini hat mich angerufen und gefragt, wie es für das Kamerun-Spiel ausschaut. Ich habe ihm gesagt, dass ich am Wochenende in der Meisterschaft für Spartak wahrscheinlich noch nicht spielen kann. Dann meinte er, ich solle das doch bitte mit meinem Klub-Trainer abklären. Der Trainer meinte, es wäre besser, nach so einer Verletzung nicht zu spielen. Constantini sagte, alles sei in Ordnung, ich solle nur schauen, dass ich die Verletzung wieder in den Griff bekomme. Dann bin ich in der Meisterschaft doch aufgelaufen, wurde fitgespritzt. Constantini habe ich das genau so erklärt und ihm gesagt, dass mein Knie jetzt ein bisschen Ruhe benötigen würde. Er meinte wiederholt, dass das kein Problem und kein Thema sei. Am nächsten Tag steht in der Tageszeitung Österreich, dass er mir die Leviten gelesen hat, ich nicht für die Nationalmannschaft spielen möchte. Auch bei den Fans soll das nicht gut ankommen, solche Spieler wie mich brauche er nicht in der Nationalmannschaft. Ein paar Tage später musste ich am Kreuzband operiert werden. Ich frage mich: 'Warum macht Constantini sowas?' Das hat er doch nicht nötig. Da tut er sich selbst und mir keinen Gefallen. Das sind halt so Sachen, die gehen nicht. Wenn man etwas mit einem Spieler ausmacht, muss man es nicht in der Öffentlichkeit zu irgendetwas anderem aufbauschen. Wozu?"