"Ich habe keine Angst vor Rückkehr nach Graz"
Jakob Jantscher hat Eier, wie es im Fußballjargon so schön heißt. Mit seinem Wechsel von Sturm Graz zu Red Bull Salzburg hat er sich in seiner Heimatstadt nicht viele Freunde gemacht.
Jakob Jantscher mit sportnet.at-Reporter Gernot Hörwertner im Salzburger Stadion-Lokal "Bull's Corner".
Wenige Stunden vor seinem ersten Pflichtspiel im Bullen-Trikot in der Champions League-Qualifikation gegen HB Torshavn (Dienstag, 18:00 Uhr, Red Bull Arena) spricht Jakob Jantscher im großen sportnet.at-Interview: Warum er sich gegen Deutschland und für Salzburg entschieden hat, wie er auf ungewohnter Position durchstarten will und warum er sich als Österreicher auf das "Abenteuer Färöer" freut.
sportnet.at: Jakob, bei deinem Wechsel von Sturm Graz nach Salzburg gab es – wie immer bei solchen Transfers – große Aufregung. Die Sturm-Fans waren nicht gerade angetan von deiner Entscheidung.
Jakob Jantscher: "Natürlich ist mir bewusst, dass ein Wechsel innerhalb Österreichs – noch dazu von Graz nach Salzburg – immer so eine Sache ist. Ich kann das bis zu einem gewissen Grad auch verstehen. Die Sturm-Fans sind super, stehen immer hinter dem Verein. Die leben für Sturm! Dennoch muss ich als Spieler auch auf meine Karriere schauen."
sportnet.at: Daniel Beichler, dein Freund bei Sturm, soll sogar von Fans bedroht worden sein, als er im vergangenen Winter mit Salzburg verhandelt hat.
Jakob Jantscher: "Drohungen hab ich gottseidank keine bekommen. Ich hab auch keine Angst davor, wenn ich das erste Mal nach Graz zurück komme."
sportnet.at: Im Winter hast du einen Transfer zu Red Bull Salzburg noch ausgeschlossen. Im Nachhinein gesehen: Hättest du dir das nicht besser gespart?
Jakob Jantscher: "Es hat damals so ausgesehen, dass ich nach Deutschland zu Mönchengladbach gehe. Sie haben mich eingeladen, ich habe mir das Umfeld angesehen und ein paar Worte mit dem Trainer gesprochen. Das hat mich sehr beeindruckt. Dann hat es sich aber immer weiter hinaus gezögert. Der Verein hat Ivan Camargo von Lüttich geholt, der hat doch einiges Geld gekostet und sie haben plötzlich gesagt, dass sie erst Spieler verkaufen müssen."
sportnet.at: Du wolltest aber nicht so lange warten.
Jakob Jantscher: "Genau. Deshalb habe ich Salzburg zugesagt, weil sich dieser Klub wirklich um mich bemüht hat und ich hier ein perfektes Umfeld habe, mich fußballerisch zu entwickeln. Ich bin jetzt 21 – wenn ich mich in Salzburg durchsetze, kann ich immer noch ins Ausland gehen."
sportnet.at: Wann gab es den ersten Kontakt mit Salzburg?
Jakob Jantscher: "Das erste Mal von Salzburg gehört habe ich im Herbst. Allerdings war damals auch noch Deutschland ein großes Thema. Den Salzburgern ist zu Gute gekommen, dass sie sich vom ersten Tag an am meisten um mich bemüht und mir das Gefühl gegeben haben, dass ich wirklich gebraucht werde."
sportnet.at: Wann hast du definitiv zugesagt?
Jakob Jantscher: "Mein 'Ja' habe ich ihnen gegeben, als wir im Mai mit der Nationalmannschaft gegen Kroatien gespielt haben. Es gab drei Interessenten und ich musste lange abwiegen, was für mich das Beste ist."
sportnet.at: Drei Interessenten? Salzburg, Mönchengladbach – wer noch?
Jakob Jantscher: "Stuttgart. Das hat mich sehr geehrt, als die angerufen haben. Als junger Österreicher zu einem der Top-5-Klubs in Deutschland, da bist du natürlich erst einmal platt. Wir hatten ein paar Wochen Kontakt – dann hat sich das aber auch zerschlagen. Das war ein bissl komisch."