Causa Red Bull: "UEFA würde einschreiten"
Darf Red Bull mit zwei Mannschaften an europäischen Klubwettbewerben teilnehmen? Die Frage ist noch theoretisch, stellt sich frühestens 2015. Aber die UEFA beschäftigt sich bereits damit.
Salzburg bejubelt den Sieg gegen Omonia Nikosia. Doch die internationale Zukunft steht auf dem Spiel.
Nach dem
sportnet.at-Blog vom Donnerstag gehen in der österreichischen Fan-Szene die Wogen hoch, die Reaktionen waren heftig. Einige Leser warfen uns "Bullen-Bashing" oder Oberflächlichkeit vor. Doch das Thema ist eine ernst zu nehmende Angelegenheit, mit der sich Red Bull noch beschäftigen wird müssen.
Sollte es tatsächlich zu dem Fall kommen, dass die Red-Bull-Teams aus Leipzig und Salzburg gemeinsam in einem europäischen Klubwettbewerb spielen, drohen Probleme mit der UEFA. Die untersagt in ihren Wettbewerbsregularien die sportliche Einflussnahme auf zwei oder mehrere Klubs.
Es geht hier weniger um die genauen Besitzverhältnisse - so könnte man argumentieren wie Alfred Eisenmann von RB Leipzig gegenüber
sportnet.at: "Wir sind ein eingetragener Verein mit einem großen Sponsor, mehr ist dazu nicht zu sagen."
Die 50+1-Regelung, die im deutschen Fußball bei Kapital- oder Aktiengesellschaften verhindern soll, dass ein Investor das alleinige Stimmrecht im Verein besitzt, kommt damit nicht zum Tragen.
Nicht "nur" Sponsor
Wohl aber sitzen im Vorstand ausschließlich Leute von Red Bull. Didi Mateschitz ist nicht "nur" Sponsor, das hat er selbst mehrfach betont. Er will, dass sein Konzern die Kontrolle über den Klub hat. Kompromisse interessieren ihn nicht.
In einem Interview mit der deutschen Welt Online sagte Mateschitz im Juni 2009: "Wir können nicht das Risiko eingehen, nach einigen Jahren Zahlungen in Millionenhöhe plötzlich von wem aus welchem Grund auch immer mit einem Dankeschön verabschiedet zu werden." Der Vertrag für die Namensrechte der Leipziger Red Bull Arena läuft bis 2030 - mit Option auf Verlängerung.
"Head of Soccer" wäre nicht tragbar
Das alles fällt wohl unter die Kategorie "indirekte Einflussnahme", von der schon in unserem Blog die Rede war - und die UEFA ist bekannt dafür, in solchen Fällen hart durchzugreifen.
So wurde etwa im Jahr 2002 Canal+ dazu gezwungen, seine Anteile am Schweizer Erstligisten Servette Genf zu verkaufen, weil der französische Privatsender schon der größte Anteilseigner bei Paris Saint-Germain war. Die sportliche Einflussnahme auf beide Vereine konnte nicht ausgeschlossen werden.
2004 musste Roman Abramowitsch nachweisen, dass er in sportlichen Entscheidungen nur bei Chelsea eingreifen kann und nicht auch bei ZSKA Moskau, wo er ebenfalls als Geldgeber auftrat.
Im Fall von Red Bull wäre also beispielsweise auch die Person Dietmar Beiersdorfer ein Problem, der in seiner Position als "Head of Soccer" sowohl in Salzburg als auch in Leipzig das letzte Wort im sportlichen Bereich hat.
Beiersdorfer zu sportnet.at: "Im optimalen Fall dauert das noch ein halbes Jahrzehnt. Im Moment gibt es keine Ambitionen von unserer Seite, dieses Thema in der Öffentlichkeit zu vertiefen."
UEFA würde "höchstwahrscheinlich einschreiten"
Die UEFA ist bekannt dafür, ihre eigenen Regeln beinhart zu verteidigen.
Auf sportnet.at-Nachfrage in der UEFA-Zentrale in der Schweiz sagt ein Mitarbeiter: "Dieser Fall ist uns selbstverständlich bekannt, wird aber erst konkret behandelt, wenn es die Aktualität erfordert. Nach derzeitigem Stand kann ich aber sagen, dass die UEFA höchstwahrscheinlich einschreiten würde, sollten sowohl Salzburg als auch Leipzig in einem internationalen Klubwettbewerb antreten."
Die UEFA verweist auf Artikel 3, Punkt 3.01c4 in den UEFA-Wettbewerbsbedingungen zu Champions- oder Europa League.
Dort heißt es: "Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben, wobei in diesem Zusammenhang als Kontrolle oder Einfluss gilt, wenn die betreffende Person (...) in der Lage ist, auf irgendeine Art und Weise einen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung des Vereins auszuüben."
"Ich denke, dass vor allem in diesem Punkt ein Verstoß gegen die Regularien zu befürchten ist", sagt der UEFA-Mitarbeiter gegenüber sportnet.at.
Was macht Mateschitz?
Es wird also möglicherweise eine strategische Umstrukturierung in einem der beiden Red-Bull-Klubs geben müssen, um eine sportliche Einflussnahme zumindest nach außen hin unwahrscheinlich erscheinen zu lassen. Ob sich Didi Mateschitz das gefallen lässt, bleibt abzuwarten.
Bis der derzeitige Viertligist RB Leipzig in der deutschen Bundesliga um internationale Startplätze spielen kann, wird es aber ohnehin noch bis mindestens 2015 dauern. Bis dahin wird noch viel Wasser die Salzach hinunter fließen.