Freitag, 22. Jänner 2010 von: David Szlezak
Meilenstein im österreichischen Handball
Glückwunsch Jungs, der erste Punktgewinn bei dieser EM war neben hervorragender Leistung auch ein Meilenstein im österreichischen Handball. Jetzt liegt das große Ziel ganz nah vor Augen.

David Szlezak
Österreich hatte im Spiel gegen Island das Glück des Tüchtigen. Der tolle Endspurt bzw. das Unentschieden waren dem Spielverlauf nach natürlich nicht zu erwareten. Aber aufgrund des Kampfgeistes, der Stimmung und der Euphorie war der Punkt verdient.
Wenn man versucht, das Ganze neutral zu betrachten, muss man allerdings auch erwähnen wie wenig clever Island in der Schlussphase agiert hat. Aber das tut letzlich nichts zur Sache – der Punkt war verdient. Die Mannschaft hat nie aufgesteckt, auch nicht nach dem 1:8-Durchhänger von 13:10 auf 14:18, immer weitergekämpft.
Ergänzungsspieler zeigen auf
Schlüssel zum Punktgewinn stellte diesmal die gute Vorstellung zweier Ergänzungsspieler dar, die die – natürlich ebenfalls sehr starken – Leistungsträger in wichtigen Phasen entlasteten: Bernd Friede und Markus Wagesreiter, der zwar in der Startformation steht, den ich aber hinter Patrick Fölser als Nummer zwei auf der Kreisposition sehe. Auch Roli Schlinger hat eine Wurfquote abgeliefert, die ich von ihm schon lange nicht mehr gesehen habe, für einen Rückraumspieler unglaublich (7 Tore bei 8 Würfen, Anm.).
Kann Initialzündung gewesen sein
Auch wenn der Punkt die Ausgangsposition vor dem Match gegen Serbien nicht wesentlich verändert hat, hat sich die Mannschaft nun emotional in eine Situation gebracht, in der alle daran glauben, dass sie den Aufstieg in die Hauptrunde schaffen können. In den Köpfen der Spieler und in ganz Handball-Österreich hat das Unentschieden symbolisch gesehen viel ausgelöst. Das kann eine Initialzündung gewesen sein. Und ganz unrealistisch ist ein Unentschieden gegen Serbien, das ja schon reichen würde, nicht – auch wenn man im Handball natürlich nicht auf ein Remis spielen kann.
Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass das Spiel gegen Serbien kein Selbstläufer wird. Es wird sehr interessant zu sehen sein, wie das ÖHB-Team auf einen ganz anderen Spielstil einstellt. Die starken serbischen Rückraumspieler wie Ilic, Vukovic oder Sesum suchen oft die 'Eins-gegen-Eins'-Situationen, den Körperkontakt, spielen sehr individuell und haben im Gegensatz zu Dänemark und Island nicht die großartigen taktischen Varianten auf Lager. Es ist schwer, sich auf so eine Mannschaft einzustellen, Österreich muss auf jeden Fall dagegenhalten.
Großes Ziel vor Augen
Was mir gut gefallen hat, war, dass sich die Spieler nach dem Punkt gegen Island zwar irrsinnig gefreut haben, aber auch sehr schnell die Bremse für sich selbst gezogen haben. Sie sind sich bewusst, dass sie ein ganz großes Ziel vor Augen haben.
Diskutieren kann man natürlich darüber, dass Dagur Sigurdsson erneut das Risiko gegangen ist, den Torhüter in Unterzahl herauszunehmen. Diesmal hat es eben nicht geklappt. Gegen Dänemark hat man ihn dafür bewundert, nun wird er dafür verteufelt. Ich finde es innovativ, es wird in Zukunft wohl immer wieder angewandt werden. Ich denke, er wird es sogar beibehalten, denn ohne Risiko gewinnt man nichts.
Liebe Grüße
Euer David
David Szlezak absolvierte 157 Länderspiele für die österreichische Handball-Nationalmannschaft, war Legionär bei insgesamt fünf deutschen Vereinen und arbeitet in der Geschäftsstelle beim deutschen Bundesligisten Rhein-Neckar-Löwen.
David Szlezak wird unterstützt von www.digibet.com und arcotel.at
Meilenstein im österreichischen Handball
Glückwunsch Jungs, der erste Punktgewinn bei dieser EM war neben hervorragender Leistung auch ein Meilenstein im österreichischen Handball. Jetzt liegt das große Ziel ganz nah vor Augen.
Österreich hatte im Spiel gegen Island das Glück des Tüchtigen. Der tolle Endspurt bzw. das Unentschieden waren dem Spielverlauf nach natürlich nicht zu erwareten. Aber aufgrund des Kampfgeistes, der Stimmung und der Euphorie war der Punkt verdient.
Wenn man versucht, das Ganze neutral zu betrachten, muss man allerdings auch erwähnen wie wenig clever Island in der Schlussphase agiert hat. Aber das tut letzlich nichts zur Sache – der Punkt war verdient. Die Mannschaft hat nie aufgesteckt, auch nicht nach dem 1:8-Durchhänger von 13:10 auf 14:18, immer weitergekämpft.
Ergänzungsspieler zeigen auf
Schlüssel zum Punktgewinn stellte diesmal die gute Vorstellung zweier Ergänzungsspieler dar, die die – natürlich ebenfalls sehr starken – Leistungsträger in wichtigen Phasen entlasteten: Bernd Friede und Markus Wagesreiter, der zwar in der Startformation steht, den ich aber hinter Patrick Fölser als Nummer zwei auf der Kreisposition sehe. Auch Roli Schlinger hat eine Wurfquote abgeliefert, die ich von ihm schon lange nicht mehr gesehen habe, für einen Rückraumspieler unglaublich (7 Tore bei 8 Würfen, Anm.).
Kann Initialzündung gewesen sein
Auch wenn der Punkt die Ausgangsposition vor dem Match gegen Serbien nicht wesentlich verändert hat, hat sich die Mannschaft nun emotional in eine Situation gebracht, in der alle daran glauben, dass sie den Aufstieg in die Hauptrunde schaffen können. In den Köpfen der Spieler und in ganz Handball-Österreich hat das Unentschieden symbolisch gesehen viel ausgelöst. Das kann eine Initialzündung gewesen sein. Und ganz unrealistisch ist ein Unentschieden gegen Serbien, das ja schon reichen würde, nicht – auch wenn man im Handball natürlich nicht auf ein Remis spielen kann.
Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass das Spiel gegen Serbien kein Selbstläufer wird. Es wird sehr interessant zu sehen sein, wie das ÖHB-Team auf einen ganz anderen Spielstil einstellt. Die starken serbischen Rückraumspieler wie Ilic, Vukovic oder Sesum suchen oft die 'Eins-gegen-Eins'-Situationen, den Körperkontakt, spielen sehr individuell und haben im Gegensatz zu Dänemark und Island nicht die großartigen taktischen Varianten auf Lager. Es ist schwer, sich auf so eine Mannschaft einzustellen, Österreich muss auf jeden Fall dagegenhalten.
Großes Ziel vor Augen
Was mir gut gefallen hat, war, dass sich die Spieler nach dem Punkt gegen Island zwar irrsinnig gefreut haben, aber auch sehr schnell die Bremse für sich selbst gezogen haben. Sie sind sich bewusst, dass sie ein ganz großes Ziel vor Augen haben.
Diskutieren kann man natürlich darüber, dass Dagur Sigurdsson erneut das Risiko gegangen ist, den Torhüter in Unterzahl herauszunehmen. Diesmal hat es eben nicht geklappt. Gegen Dänemark hat man ihn dafür bewundert, nun wird er dafür verteufelt. Ich finde es innovativ, es wird in Zukunft wohl immer wieder angewandt werden. Ich denke, er wird es sogar beibehalten, denn ohne Risiko gewinnt man nichts.
Liebe Grüße
Euer David
David Szlezak absolvierte 157 Länderspiele für die österreichische Handball-Nationalmannschaft, war Legionär bei insgesamt fünf deutschen Vereinen und arbeitet in der Geschäftsstelle beim deutschen Bundesligisten Rhein-Neckar-Löwen.
David Szlezak wird unterstützt von www.digibet.com und arcotel.at